Kein Antisemitismus in Stuttgart!

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Rat der Religionen Stuttgart kritisiert antisemitistische Angriffe und „erschreckende und ungehörige Vermischung von Politik und Religion“.

Bestürzt hat der Rat der Religionen Stuttgart in seiner Sitzung am 19. Mai auf die Berichte der Jüdischen Gemeinde über antisemitische Angriffe in den vergangenen Tagen reagiert.

Der Rat der Religionen Stuttgart teil das Erschrecken und die Sorgen der Jüdischen Gemeinde in Stuttgart und ihrer Mitglieder und verurteilt die antisemitischen Aggressionen wie auch die Vermischung von Politik und Religion. Jüdinnen und Juden als religiöse Menschen und Synagogen als Stätten des Gebets anzugreifen ist eine erschreckende und ungehörige Vermischung von Politik und Religion.

Jüdinnen und Juden müssen in Sicherheit in unserer Stadt leben und auch ihren Glauben sicher und ohne Angst praktizieren können. Wir appellieren an alle Mitglieder unserer Stadtgesellschaft, diese Grundsätze zu achten und gemeinsam mit uns einzufordern. Wir rufen darüber hinaus die Sicherheitsbehörden der Stadt auf, die Sicherheit der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger und der jüdischen Einrichtungen sicherzustellen.

Rat der Religionen im TV

Bunte Stadt, vielfältiger Glaube – die Religionslandschaft Stuttgarts

Stuttgart galt lange als evangelischste Stadt Deutschlands – zumindest vor 120 Jahren. Damals waren 83 Prozent evangelisch, und bis auf ein paar wenige waren die restlichen Stuttgarter katholisch. Doch das hat sich radikal geändert, wie ein neuer „Atlas der Religionen“ eindrucksvoll zeigt. Dieser bundesweit einmalige Atlas ist Thema in der nächsten Ausgabe von „Alpha & Omega – Kirche im Gespräch“. Initiiert wurde er vom „Rat der Religionen“ in Stuttgart, von dessen Mitgliedsorganisationen zwei in der Sendung als Gesprächsgäste vertreten sind:
Susanne Jakubowski von der Jüdischen Gemeinde in Stuttgart und der Katholische Stadtdekan Christian Hermes. Sie diskutieren über den Atlas und seine Ergebnisse: Wie religiös sind die Nicht-Religiösen? Was bedeutet es, wenn auch Nicht-Religiöse regelmäßig beten oder eine Kirche besuchen? Wie entwickelt sich die religiöse Landschaft und was kann der „Rat der Religionen“ dazu beitragen?

Moderation/Redaktion: Christian Turrey

Sicher Gottesdienste feiern in Corona-Zeiten

Rat der Religionen am 03.02.2021Auch die jüngste Sitzung des Rates der Religionen Stuttgart am 3. Februar 2021 war von der Corona-Situation geprägt: Alle Teilnehmenden berichteten von den Auswirkungen der Pandemie auf das Leben der Gemeinschaften, insbesondere die Feier der Gottesdienste. Einig waren sich die Mitglieder, dass ihre Gemeinschaften mit größter Sorgfalt Hygienekonzepte erstellen und umsetzen und so auch sicher Gottesdienste feiern können. In diesem Zusammenhang dankten die Stuttgart Religionsvertreter dem neuen Ordnungsbürgermeister Dr. Clemens Maier für die pragmatische Umsetzung der neuesten Meldepflicht für Gottesdienste.

Mit großer Dankbarkeit verabschiedete der Rat Bürgermeister a.D. Dr. Martin Schairer, den Vorgänger von Dr. Maier im Amt des Ordnungsbürgermeisters und Religionsbeauftragten der Landeshauptstadt Stuttgart. Der Koordinator des Rates, Ali Ipek (DITIB), würdigte ebenso wie andere Gründungsmitglieder die große und wichtige Unterstützung von Bürgermeister Dr. Schairer für den Rat und die Verständigung zwischen den Religionen in der Stadt Stuttgart. Ebenso herzlich begrüßten die 21 Vertreter der Religionen in Stuttgart Dr. Maier als neuen Religionsbeauftragten, der bekräftigte, die gute Begleitung des Rates seinerseits fortsetzen zu wollen.

Der im Herbst veröffentlichte „Stuttgarter Atlas der Religionen“ hat ein großes und positives Echo in der Stadt und weit darüber hinaus gefunden. Die Ratsmitglieder nahmen dies zufrieden zur Kenntnis und regten an, die Daten des Atlas nun auch online auf der Seite der Landeshauptstadt verfügbar zu machen, so dass Aktualisierungen aus den Religionsgemeinschaften fortlaufend eingepflegt werden und diese wichtige Quelle zum religiösen Leben der Stadt fortgeschrieben werden könnte.

Bürgermeister Dr. Clemens Maier neuer Religionsbeauftragter

MaierClemens201220Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat Dr. Clemens Maier, Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, zum Religionsbeauftragten ernannt. Damit vertritt er offiziell die Landeshauptstadt Stuttgart im Rat der Religionen und folgt auch in dieser Funktion seinem Amtsvorgänger Dr. Martin Schaierer nach.

Die Mitglieder des Rates haben die Ernennung eines Religionsbeauftragten als ebenso starkes Zeichen der Wertschätzung und Aufmerksamkeit für den Rat der Religionen begrüßt wie die seit der Gründung hoch engagierte und hilfreiche Mitarbeit von Bürgermeister Dr. Schairer und sind ihm hierfür sehr dankbar.

Ebenso freut sich der Rat über die Berufung von Dr. Maier, der auch bereits an einer (virtuellen) Sitzung des Rates teilgenommen hat und sein großes Interesse am Rat der Religionen und am interreligiösen Dialog signalisiert hat. Religion und Religionen sind dem neuen Ordnungsbürgermeister durchaus auch theoretisch geläufig, hat er doch neben dem juristischen Studium auch an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen katholische Theologie studiert. Dort wurde er auch mit einer Arbeit zum kirchlichen Arbeitsrecht promoviert.

Nein zu islamistischem Terror

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Mit große Einigkeit wurde im Rat der Religionen Stuttgart, der corona-bedingt am 5. November 2020 virtuell tagte, das Entsetzen über die jüngsten islamistischen Terrorakte in Frankreich und Österreich artikuliert und die Erklärung des Stuttgarter Arbeitskreises der Muslime begrüßt. Angesichts dieser Herausforderungen möchte der Rat eine schon im Frühjahr geplante und nun erneut verschobene Veranstaltung zu „Religion – bedroht oder Bedrohung“ nachholen, sobald es die Corona-Situation erlaubt.

Herzlich begrüßt wurde in der Runde der neue Vertreter der Landeshauptstadt Stuttgart und Bürgermeister für Ordnung, Sicherheit und Recht Dr. Clemens Maier als Nachfolger von Dr. Martin Schairer. Bürgermeister Dr. Maier, der selbst nicht nur Jurist, sondern auch promovierter katholischer Theologe ist, brachte sein großes Interesse ander Arbeit des Rates zum Ausdruck, den er für eine wichtige und gute Einrichtung hält, ein gutes Miteinander und die Verständigung der Religionsgemeinschaften in Stuttgart zu fördern.

Weiter wurde in der Sitzung das Erscheinen des „Stuttgarter Atlas der Religionen“ und das große öffentliche Interesse gewürdigt. Stadtdekan Msgr. Dr. Christian Hermes als Initiator des Atlas zeigte sich dankbar für die Unterstützung der Landeshauptstadt Stuttgart und die beeindruckende Arbeit des Statistischen Amtes.

Erneut berichteten die Vertreter der Stuttgarter Religionsgemeinschaften von den Schwierigkeiten des Gottesdienstes und des Gemeindelebens in der Zeit der Corona-Pandemie, brachten aber ihre Erleichterung zum Ausdruck, dass anders als im Frühjahr das Recht auf freie Religionsausübung derzeit gewährleistet sei.

Stuttgarter Atlas der Religionen veröffentlicht

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Dr. Ansgar Schmitz-Veltin (Statistisches Amt), Ordnungsbürgermeister und Religionsbeauftragter der Landeshauptstadt Stuttgart Dr. Martin Schairer, Stadtdekan Msgr. Dr. Christian Hermes (Katholische Kirche, Initiator des Atlas der Religionen)

Wer wissen möchte, wie religiös die Stuttgarter eigentlich sind, welche religiösen Feste sie feiern, wo sie beten und ob sie dazu eine Glaubensgemeinschaft brauchen, der findet im Atlas der Religionen Antworten. Das bundesweit einmalige Projekt ist möglich geworden dank der Zusammenarbeit der Stadt Stuttgart und dem Rat der Religionen. „Religionsgemeinschaften sind geistige, spirituelle und soziale Zentren in einer Stadt. Wir waren überrascht, in welcher großen Vielfalt sie in Stuttgart durch den Atlas kenntlich werden“, sagt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, der Religionsbeauftragte der Stadt Stuttgart.

Zusammen gelaufen sind alle Fäden für den Atlas beim Statistischen Amt der Stadt Stuttgart. „Erstmals haben wir mit dem Atlas die ganze Vielfalt der religiösen Landschaft in Stuttgart zusammengestellt. Und das von zwei Seiten: zum einen von Seiten der Stadtforschung und Statistik in bisher einmaliger Tiefe und auf der anderen Seite dokumentarisch“, sagt Ansgar Schmitz-Veltin, der Leiter der Abteilung Wirtschaft und Befragungen des Statistischen Amtes sowie Koordinator und Mitautor beim Atlas der Religionen. Der Stadt und dem Rat der Religionen sei es ein großes Anliegen gewesen, nicht nur Analysen zu präsentieren, sondern auch handfeste Informationen zu den religiösen Gemeinschaften und Gruppierungen in Stuttgart aufzuzeigen. Wie vielfältig die religiöse Landschaft in Stuttgart ist, zeigt ein Blick auf den umfänglichen Infoteil im Atlas der Religionen, wo die neuapostolische Kirche ihre Standorte vorstellt, der Hindu-Verein Stuttgart seine Feste präsentiert, der Afghanische Kulturverein zum Freitagsgebet lädt, die Martin Luther Kirche auf ihre Sonntagsschule hinweist und sich insgesamt 200 Glaubensgemeinschaften mit ihren Feiertagen und Angeboten präsentieren.

„Nur wenn wir voneinander wissen, ist eine Verständigung möglich“
Der Atlas zeigt zwei grundlegende Entwicklungen auf eindrückliche Weise auf: Die beiden Volkskirchen verlieren an Mitgliedern. Diesem Rückgang aber steht ein Zugewinn an neuen Religionen und Glaubensformen gegenüber. „Auch wenn die Bindung an die traditionellen, institutionalisierten Volkskirchen abnimmt, nehmen Zahl, Vielfalt und Organisationsform der Religionsgemeinschaften zu“, stellt der katholische Stadtdekan Christian Hermes fest, der vor vier Jahren den Anstoß für den Atlas der Religionen gegeben hat. „Es war uns ein Anliegen, den Menschen einen einzigartigen und umfassenden Überblick über die existierenden Religionsgemeinschaften in Stuttgart geben zu können. Wenn ein Miteinander in einer pluralen Gesellschaft gelingen sollen, sind nicht gleichgültige Unkenntnis, sondern Verständnis, Interesse und Wissen übereinander die Grundlage für eine fruchtbare Verständigung“, so Christian Hermes.

Von der evangelischen zu einer religiös pluralen Großstadt
Historisch gesehen hat sich Stuttgart von einer evangelischen Stadt zu einer religiös pluralen Großstadt entwickelt. Um das Jahr 1900 gehörten 83 Prozent der Stuttgarter der evangelischen Kirche an, heute sind es noch 23 Prozent (141 518 Stand Ende 2019). Der katholischen Kirche, der um das Jahr 1900 nur 15 Prozent der Stuttgarter Einwohner zuzurechnen waren, zählt heute 136 080 Mitglieder (Stand Ende 2019), was 22 Prozent der Einwohner entspricht. Damit gehören den beiden Volkskirchen trotz stetig abnehmender Mitgliederzahlen noch immer 45 Prozent der Stuttgarterinnen und Stuttgarter an. Christentum ist aber viel mehr als nur römisch-katholisch oder evangelisch landeskirchlich: So führt der Atlas nicht weniger als 70 weitere christliche Gemeinschaften auf. Fast ein Drittel der evangelischen Christen rechnet sich einer evangelischen Freikirche zu; durch Migration und Flucht haben weitere orthodoxe und orientalische christliche Kirchen in Stuttgart Fuß gefasst.

Die beiden großen Kirchen haben sich zahlenmäßig angenähert
Was der Atlas der Religionen aber auch eindrücklich zeigt: Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche in Stuttgart haben in absoluten Zahlen im Jahr 2019 so viele Kirchenmitglieder wie noch nie durch Austritte und Todesfälle verloren (bei der evangelischen Kirche liegt der Saldo bei 3635 Mitgliedern, bei der katholischen Kirche bei 2818 Mitgliedern). Die Austrittswahrscheinlichkeit ist bei Menschen im Alter um die 30 Jahre am höchsten, in der Zeit also, in der sie in den Beruf einsteigen und damit auch der Kirchensteuer unterliegen. Während sich katholische und evangelische Kirche zahlenmäßig angenähert haben, gibt es große Unterschiede bei der Herkunft: Während bei den Mitgliedern der katholischen Kirche 45,3 Prozent einen Migrationshintergrund haben, sind es bei der evangelischen Kirche in Stuttgart gerade 11,6 Prozent.

Die Mehrzahl der Stuttgarter bezeichnet sich als religiös
Der Atlas der Religionen zeigt aber auch, dass Religiosität und Religionszugehörigkeit zwei unterschiedliche Aspekte sind. „Anders als ein erster Blick auf die Zugehörigkeit der Stuttgarter Bevölkerung zu öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften vermuten lässt, spielt die Religiosität für viele Menschen in der Stadt nach wie vor eine wichtige Rolle“, sagt Ansgar Schmitz-Veltin, der für den Atlas der Religionen Daten der Bürgerumfrage 2019 ausgewertet hat. Das Ergebnis: Auf der einen Seite sind nicht alle Kirchenmitglieder besonders religiös. Auf der anderen Seite leben viele sehr religiöse Menschen in Stuttgart, die kein Mitglied in einer der beiden großen Kirchen sind. Drei Viertel der Stuttgarterinnen und Stuttgarter bezeichnen sich in der Umfrage als zumindest ein wenig religiös, 23 Prozent beten mindestens einmal in der Woche und gut 20 Prozent der Menschen glauben sehr stark an Gott oder etwas Göttliches. Demgegenüber liegt der Anteil der nicht religiösen Menschen nach Schätzungen bei rund einem Viertel. „Glaube und Mitgliedschaft in einer traditionellen Kirche entkoppeln sich immer mehr“, sagt Ansgar Schmitz-Veltin. Und Stadtdekan Christian Hermes ergänzt: „Der Atlas kann sehr gut zeigen, dass nicht nur die Vielfalt der Religionen, sondern auch der Organisationsformen von Religion zugenommen haben.“ Kirche oder öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft seien stark von der deutschen Rechtstradition und den Volkskirchen geprägte Formen, andere Religionen würden sich ganz anders organisieren und könnten darum auch nur mit Studien wie dem Stuttgarter Atlas angemessen sichtbar gemacht werden.

In den Stadtbezirken zeigen sich große Unterschiede
Interessant ist auch der kleinteiligere Blick auf die Stadtbezirke, den der Atlas der Religionen ermöglicht und der große Unterschiede aufzeigt. Während vor allem im Süden der Stadt mehr als ein Viertel der Einwohnerinnen und Einwohner der evangelischen Kirche angehören, erreichen die römisch-katholischen Einwohner entlang des Neckars zum Teil höhere Werte als die evangelischen. In Mitte und den nördlichen Stadtbezirken dominieren mit deutlich mehr als 50 Prozent die Einwohner ohne Mitgliedschaft in einer öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft.

Muslimische und jüdische Bevölkerung im Blick
Was in einem Atlas der Religionen auch nicht fehlen darf, ist die Entwicklung der muslimischen Bevölkerung, die stark von Zuwanderung geprägt ist. Zehn Prozent der Stuttgarter (59 000 von 614 600 Einwohnern Stand Ende 2019) sind muslimischen Glaubens, von denen 67 Prozent aus Südosteuropa stammen. Ebenfalls stark von der Zuwanderung geprägt ist die jüdische Gemeinde. Ende 2019 waren 1480 Stuttgarterinnen und Stuttgarter jüdischen Glaubens, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 0,2 Prozent. Nach den Erhebungen des Statistischen Amts lässt der überwiegende Teil der jüdischen Einwohner einen Migrationshintergrund erkennen. Mehr als die Hälfte der jüdischen Stuttgarterinnen und Stuttgarter sind 65 Jahre und älter.

Den Atlas der Religionen finden Sie hier auf unserer Website; er ist in der Druckfassung beim Statistischen Amt der Landeshauptstadt Stuttgart erhältlich.

(Nicole Höfle, Katholisches Stadtdekanat)

Von Corona bis Krawall

20200723IslamischeGemeinschaftBei seiner ersten Sitzung nach der Corona-Pause wurde der Stuttgarter Rat der Religionen von Ehepaar Subasic in den Räumen der Islamischen Gemeinschaft Stuttgart e.V., in der sich vor allem die bosnischen Muslimen der Landeshauptstadt treffen, begrüßt.

Auch die Religionsgemeinschaften der Stadt sind durch Corona im Kern ihrer Arbeit betroffen, weil über Monate keine Begegnungen und Gottesdienste möglich waren und inzwischen nur unter Einschränkungen wieder möglich sind. Der Religionsbeauftragte der Landeshauptstadt Bürgermeister Dr. Martin Schairer dankte den Religionsgemeinschaften nicht nur für ihr Verständnis, sondern auch für ihren wichtigen seelsorgerlichen Dienst und ihre Mitwirkung bei der Bekämpfung der Ausbreitung von Covid-19. Die Religionsvertreter ihrerseits betonten, dass gerade in einer Krisenzeit die Religionen nicht nur unter Risiko-Aspekten, sondern gerade auch als Kräfte gesehen werden sollten, die Beistand, Halt und Orientierung vermitteln würden.

Mit Blick auf die Krawalle des 20./21. Juni tauschten sich die Vertreter der Stuttgarter Religionen über ihren möglichen Beitrag zur Bewältigung der dabei hervorgetretenen sozialen Spannungen aus. Nachdem die erfolgreiche „Mobile Jugendarbeit“ in Stuttgart bereits seit Jahrzehnten von katholischer und evangelischer Kirche, Caritas und Evangelischer Gesellschaft, getragen würden, wurde angeregt, dass die Religionsgemeinschaften in den lokalen Gesellschaften für Mobile Jugendarbeit mitarbeiten und damit der kulturellen und religiösen Pluralität junger Menschen in Stuttgart entsprechen.

In Solidarität an der Seite unserer jüdischen Geschwister

Jüdische Menschen wollten in Halle eines ihrer wichtigsten Feste feiern. Sie und mit ihnen auch wir haben an diesem Tag erneut die Fratze des Antisemitismus erlebt. Unschuldige Menschen wurden getötet aufgrund der feigen Tat eines Einzigen. Mag er auch alleine gehandelt haben, so steht seine Tat in einer Reihe vieler anderer Angriffe gegen jüdische Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Den Weg dazu haben nicht zuletzt politische Parteien bereitet, die sie als geistige Brandstifter wirken.

Der Rat der Religionen in Stuttgart steht in Solidarität an der Seite unserer jüdischen Geschwister. Wir sind überzeugt: Wird eine Religionsgemeinschaft angegriffen, werden alle angegriffen. Wir Vertreter und Vertreterinnen der Religionsgemeinschaften in Stuttgart stehen ein für eine offene und demokratische Stadtgesellschaft, die die Unterschiedlichkeit der Menschen nicht als Gefährdung, sondern als Reichtum begreift.
Wir wünschen unseren jüdischen Geschwistern Segen für ihren weiteren Weg.

Ali Ipek
Koordinator

Antisemitismus entgegentreten – Ipek neuer Koordinator

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„Antisemitismus bedroht uns alle“, betonte der Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung Michael Blume, Gast bei der jüngsten Sitzung des Rates der Religionen Stuttgart am 25. September in den Räumen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Weilimdorf. Turnusgemäß wurde dabei auch ein neuer Koordinator gewählt: In den kommenden zwei Jahren wird der Dialogbeauftragte der DITIB-Moscheen Stuttgart Ali Ipek als Nachfolger des katholischen Stadtdekans Christian Hermes die Arbeit des Rates moderieren.

Dass antisemitische Tendenzen eine Bedrohung für unsere Gesellschaft und letztlich für alle Religionen darstellen, führte der Religionswissenschaftler und baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume, Gast bei der Sitzung des Stuttgarter Rates, aus. Denn die Geschichte und die Gegenwart solcher Tendenzen zeigten, dass gruppenbezogene Feindlichkeit, oft in Verbindung mit Verschwörungsmythen, sich beliebig neue und wechselnde Feindbilder suche.

„Eine grundlegende Überzeugung von uns allen ist, dass wir gemeinsam hinstehen müssen und gemeinsam stark sein können. Wer eine Religion angreift, der greift alle an“, betonte der bisherige Koordinator Christian Hermes. Blume gratulierte den Mitgliedern des Stuttgarter Rates, mit rund zwanzig Religionsgemeinschaften einer der größten in der Bundesrepublik, dass sie ein solches Netzwerk in Eigenverantwortung der Religionsgemeinschaften geschaffen haben, das zum gesellschaftlichen Frieden viel beitragen könne.

Einstimmig wählten die Mitglieder den Dialogbeauftragten der DITIB-Moscheen in Stuttgart Ali Ipek zum neuen Koordinator. Die Ordnung des Rates sieht vor, dass im Wechsel ein Mitglied die Arbeit des Rates koordiniert und diesen auch nach außen vertritt. Nach dem evangelischen Stadtdekan Sören Schwesig und dem katholischen Stadtdekan Christian Hermes ist dies zum ersten Mal nun ein muslimischer Vertreter. Unter anderem beriet der Rat der Religionen auch über die Gestaltung der diesjährigen Feier des Volkstrauertages, der am 17. November zum zweiten Mal als multireligiöse Feier am zentralen Karlsplatz stattfinden wird, um der Opfer von Krieg, Gewalt und Verfolgung zu gedenken.

 

Glückwunsch: Schairer erster Religionsbeauftragter der Stadt Stuttgart

RatderReligionenStuttgart190529Schairer2Der Rat der Religionen freut sich über die Ernennung von Bürgermeister Dr. Martin Schairer zum ersten „Religionsbeauftragten“ der Landeshauptstadt Stuttgart und berät über Angriffe auf Religionsgemeinschaften, die Gestaltung des Volkstrauertages und die Vernetzung der Religionsräte in Land und Bund.

Auf Anregung des Rates der Religionen Stuttgart, in dem der Bürgermeister für Recht, Sicherheit und Ordnung Dr. Martin Schairer den Oberbürgermeister und die Landeshauptstadt vertritt, hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn die Funktion eines „Religionsbeauftragten“ geschaffen und Dr. Schairer diese Aufgabe übertragen. Dies wurde bei der Sitzung des Rates am 29. Mai 2019 im Stuttgarter „Haus der Katholischen Kirche“ bekanntgegeben.

Der Rat sieht darin, so der katholische Stadtdekan Msgr. Dr. Christian Hermes als Koordinator, „ein wichtiges Zeichen, dass die Landeshauptstadt die Bedeutung der Religionsgemeinschaften in der Stadtgesellschaft und ihres guten und dem Gemeinwohl verpflichteten Miteinanders untereinander und mit der Stadt würdigt.“ Hermes erinnerte auch an die spezifische Rolle und das Selbstverständnis des Rates: „Nicht die dogmatischen und weltanschaulichen Bekenntnisse der Religionsgemeinschaften, sehr wohl aber ihre sozialen Erscheinungsformen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten und Wirksamkeiten sind zurecht von stadtpolitischem Interesse. Ebenso kann die Sensibilität für die religiösen Identitäten der Bürger, gerade auch im Blick auf die Migration aus anderen Kulturen, einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten und Brücken bauen.“