Erster „Tag der Religionen“ in Stuttgart

Es war eine historische Premiere: Noch nie haben sich so viele verschiedene Religionsgemeinschaften zu einer gemeinsamen Veranstaltung im Rathaus der Landeshauptstadt Stuttgart versammelt. Fast sämtliche der 20 im Rat der Religionen vertretenen Religionsgemeinschaften waren beim ersten Stuttgarter „Tag der Religionen“ am 7. Oktober 2022 mit Informationsständen und ihren Vertreterinnen und Vertretern präsent. Der Große Sitzungssaal war mit interessierten Besucherinnen und Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt.

Der Religionsbeauftragte der Landeshauptstadt und Beratendes Mitglied im Rat, Bürgermeister Dr. Clemens Maier, hob in seiner Begrüßung die Bedeutung der Religionsgemeinschaften für die Integration, den sozialen Zusammenhalt und das gute Miteinander in der Stadt hervor und regte eine stärkere Unterstützung der Religionsgemeinschaften und des Rates der Religionen seitens der Landeshauptstadt an. Religion sei eben nicht „Privatsache“, sondern für eine Stadt von Interesse und Bedeutung.

Die derzeitige Koordinatorin Susanne Jakubowski (Jüdische Gemeinde) zeigte sich hoch erfreut über die gute Beteiligung der Religionsgemeinschaften und das rege Interesse. Wer die Vielfalt der Religionen, wie sie auch im „Atlas der Religionen Stuttgart“ dokumentiert ist, live und persönlich kennenlernen wollte, war beim ersten Stuttgarter „Tag der Religionen“ richtig. Unterhaltsam und informativ moderierte SWR-Redakteurin Verena Neuhausen den Abend und interviewte exemplarisch Mitglieder und Vertreter, von den Gründern, den beiden Stadtdekanen Christian Hermes und Sören Schwesig und dem damaligen Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, bis zu den Vertretern der Esiden, der erst jüngst aufgenommenen 20. Gemeinschaft im Stuttgarter Rat.

Wir suchen Frieden!

IMG_8898Wie sehr auch die Stuttgarter Religionsgemeinschaften immer wieder von den Krisen und Konflikten weltweit betroffen sind, zeigte sich beim jüngsten Treffen des Rates in der Hl. Nikolaus-Kathedrale der Russisch-Orthodoxen Gemeinde in Stuttgart in der Seidenstraße. Erzpriester Ilya Limberger berichtete von den Herausforderungen für seine Gemeinde, in der sich sowohl russische als auch ukrainische orthodoxe Christinnen und Christen zuhause fühlen und fühlen wollen. Wie kann ein Gemeindeleben in der aktuellen Situation des russischen Angriffskrieges möglich sein?

Auch die Armenische Gemeinde ist in größter Sorge, nachdem Aserbaidschan Armenien angegriffen hat – eine Situation, die im Schatten des Krieges in der Ukraine nur wenig Aufmerksamkeit findet.

Einig sind sich die Mitglieder des Stuttgarter Rates der Religionen, dass Religion ein Weg des Friedens sein muss und Religionen den Frieden bewahren und suchen, auch in unserer Stadt.

Bei der Sitzung, die im Gemeindehaus der benachbarten Evangelischen Gedächtniskirche stattfand, berichtete Koordinatorin Susanne Jakubowski (Jüdische Gemeinde) vom Bundeskongress der Räte der Religionen. Die Planung des am 06. Oktober stattfindenden, ersten „Tages der Religionen“ stand im Mittelpunkt der Sitzung.

Erster Stuttgarter Tag der Religionen im Rathaus

Zwanzig Religionsgemeinschaften in Stuttgart, die den Rat der Religionen bilden, laden gemeinsam mit der Stadt Stuttgart herzlich zum ersten „Tag der Religionen“ ein.

Der Stuttgarter Rat der Religionen ist einer der größten in der Bundesrepublik. Beim ersten Stuttgarter „Tag der Religionen“ am Donnerstag, den 6. Oktober 2022, ab 18.00 Uhr im Rathaus Stuttgart, Großer Sitzungssaal und Foyer, stellen sich Rat und Mitglieder in ihrer Vielfalt vor, bieten sich als Ansprechpartner*innen für Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft an und freuen sich darauf, Ihnen für Ihre Fragen zur Verfügung zu stehen und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Der Eintritt ist frei.

Ahmadiyya Muslim Jamaat, Alevitische Gemeinde, Armenische Gemeinde, Bahá’i-Gemeinde, DITIB, Die Christengemeinschaft, Evangelische Kirche, Êzidische Sonne, Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Griechisch-Orthodoxe Gemeinde, Hindu Verein, Islamische Gemeinschaft, Israelitische Religionsgemeinschaft, Katholische Kirche, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Netzwerk Buddhistische Zentren, Neuapostolische Kirche, Russisch-Orthodoxe Kirche, VIKZ Kultur- und Bildungswerk, Stadt Stuttgart.

Rat der Religionen beim Katholikentag

Rat der Religionen KTIm Rahmen des Katholikentages, der von 25. bis 29. Mai 2022 in Stuttgart stattfand, stellten Mitglieder des Rates der Religionen Stuttgart den Rat vor. Eingerahmt vom muslimischen Gebetsruf und Leonard Cohens Halleluja auf Arabisch berichteten wir von der Bedeutung eines toleranten Mit-Einander-Lebens: stellvertretend für die zwanzig im Rat vertretenen Gemeinschaften sprachen VertreterInnen der Katholischen und der Evangelischen Kirche, der Jüdischen Gemeinde, der Aleviten und des Ezidentums. Dabei wurde deutlich: Wir stehen gemeinsam für die Vielfalt des Glaubens und für ein friedliches Zusammenleben.

Stellungnahme des Rates der Religionen Stuttgart zum Angriff auf die Ukraine

UkraineSymbolbild220301Der Rat der Religionen verfolgt das Ziel, Kontakt, Verständnis und Dialog der Religionen in Stuttgart untereinander und mit der Stadtgesellschaft zu fördern und zu pflegen sowie gemeinsam interessierende Themen zu beraten und Positionen dazu abzustimmen. Zwanzig Religionsgemeinschaften sind Mitglieder des Rates, davon sind etliche direkt oder indirekt vom russischen Überfall auf die Ukraine betroffen.

Die Mitglieder des Rates der Religionen verurteilen den Angriff auf die Ukraine und wünschen nichts sehnlicher, als dass dieser Krieg aufhört und dieses sinnlose Blutvergießen zwischen Brudervölkern ein Ende findet.

Wir verstehen uns als Vermittler zwischen allen Nationalitäten, Religionen und Kulturen, die ihre Heimat in Stuttgart gefunden haben. In einigen Gemeinden finden sich Russisch- wie auch Ukrainisch-Stämmige, die bisher vereint und friedlich zusammen gelebt, gemeinsam Gottesdienste – seien es orthodoxe, katholische, protestantische oder jüdische – gefeiert und sich kulturell in unsere Stadtgesellschaft eingebracht haben, in Frieden und Einheit in Freiheit.

Wir sind stolz darauf, dass die Religionen sich einander verbunden fühlen und in gegenseitigem Respekt den anderen mit all seinen Unterschieden akzeptieren. Der Rat der Religionen möchte ein klares Zeichen für Solidarität und Verbundenheit zwischen den Menschen in Stuttgart setzen. Wir setzen auf unser friedliches und respektvolles Zusammenleben, wir wollen noch enger zusammenstehen und uns den Nöten unserer Mitmenschen öffnen.

Die angeschlossenen Gemeinschaften des Rates der Religionen bieten nicht nur spirituelle Zuflucht und Halt in diesen Tagen, sie wollen auch Hilfesuchenden als AnsprechpartnerInnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Adressen und Kontaktdaten der im Rat der Religionen vertretenen Religionsgemeinschaften findet man unter http://www.ratderreligionenstuttgart.wordpress.com

Susanne Jakubowski Koordinatorin Rat der Religionen

Vandalismus in der Johanneskirche

IMG_3334 Der Rat der Religionen ist sehr erschrocken über diesen Akt des Vandalismus, dem am 4. Dezember 2021 die Johanneskirche am Stuttgarter Feuersee ausgesetzt war.

Der Täter wurde aufgrund von Berichten von Augenzeugen sehr schnell gefasst. Noch am Sonntagmorgen. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen polizeibekannten Randalierer handelt, der nicht nur in der Johanneskirche gewütet hatte. Am Feuersee gelegen, ist die Johanneskirche ein Ort Gottes und Zentrum für die evangelische Johannesgemeinde in Stuttgart. Zugleich ist sie für die Bürger*innen Stuttgarts
eines der markantesten Gotteshäuser der Landeshauptstadt.

Erleichtert nehmen wir zur Kenntnis, dass es sich nicht – wie zuerst befürchtet – um eine Tat aus Hass gegen Religion und Gotteshäuser handelt. Unsere Anteilnahme gilt Pfarrer Dr. Christoph Dinkel, den Mitgliedern des Kirchengemeinderats und allen Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-West, die nun die wunderschönen Fenster reparieren lassen müssen.

Susanne Jakubowski
Koordinatorin Rat der Religionen

Esidische Gemeinschaft wird Mitglied im Rat

EsidischeVertreter211117 (Foto:Hermes)
Koordinatorin Susanne Jakubowski gemeinsam mit den Vertretern der esidischen Gemeinde Frau Ajil und Hr. Abdu

Neue Kontakt zu arabischsprachigen muslimischen Gemeinschaften – Präsentation beim Katholikentag

In der Sitzung des Rates der Religionen Stuttgart am 17. November 2021 konnten wir zwei Mitglieder der Glaubensgemeinschaft der in Stuttgart lebenden Esiden (gespr.: Jesiden) begrüßen. Einstimmig hat der Rat die Aufnahme ihrer Gemeinschaft in den Rat beschlossen. Auch bei den Esiden handelt es sich um eine verfolgte religiöse Minderheit, die traurige Bekanntheit durch die blutige Verfolgung durch den IS im Nordirak erlangte. In Stuttgart gehören 30 aktive Mitglieder, mit ihren Familien sind es weit mehr, zu dieser alten Gemeinschaft.

Bei der Sitzung in den Räumen der Alevitischen Gemeinde in Bad Cannstatt, die von Hr. Kiral und Hr. Demir präsentiert wurde, haben die Vertreter der Stuttgarter Religionsgemeinschaften unter Leitung der Koordinatorin Susanne Jakubowski Aktivitäten in 2022 geplant. Insbesondere soll ein neuer Anlauf gemacht werden, in Kontakt mit arabischsprachigen muslimischen Gemeinschaften zu kommen. Auch beim 102. Deutschen Katholikentag Ende Mai 2022 will der Rat, der einer der bundesweit größten ist, sich präsentieren.

Religionen – bedroht oder Bedrohung?

Montag, 22. November 2021, 18.00 Uhr im Haus der Katholischen Kirche (Königstraße 7)
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich. Es gilt die 2-G-Regelung.

Screenshot 2021-11-14 at 19-41-54 BKA Angriffe auf Religionsgemeinschaften haben deutlich zugenommen

Laut aktuellem Bericht des Bundeskriminalamtes haben sich Angriffe auf Vertreterinnen und Vertreter von Religionen oder Einrichtungen von Religionsgemeinschaften im Jahr 2020 fast vervierfacht. Immer häufiger hat Hasskriminalität einen explizit religiösen Bezug. Auch in Stuttgart waren Religionsgemeinschaften Bedrohungen und Übergriffen ausgesetzt. Es gibt aber auch die andere Seite: Extremisten, die mit fundamentalistischen religiösen Überzeugungen Hass auf andere legitimieren. Der Rat der Religionen in Stuttgart nimmt diese Entwicklungen zum Anlass für eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Religion – bedroht oder Bedrohung?“ Die Veranstaltung findet am Montag, 22. November 2021, um 18 Uhr im Haus der Katholischen Kirche (Königstraße 7) statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich. Es gilt die 2-G-Regelung.

Die Statistik politisch motivierter Kriminalität des Bundeskriminalamts (BKA) weist im vergangenen Jahr fast 3000 Angriffe gegen Religionsgemeinschaften aus, ein Anstieg um 39 Prozent. Fast vervierfacht haben sich Angriffe auf religiöse Repräsentanten − von 559 im Jahr 2019 auf 2217 im vergangenen Jahr. 70 Prozent dieser Angriffe richteten sich den Angaben des BKA zufolge gegen Vertreter jüdischer Gemeinschaften, rund ein Viertel gegen Repräsentanten muslimischer Religionsgemeinschaften. 90 Prozent der Straftaten seien rechtsextrem motiviert gewesen.

Der Blick soll sich an diesem Abend vor allem auch auf die Situation in Stuttgart richten. Deshalb werden Frauen und Männer unterschiedlicher Religionsgemeinschaften über ihre Erfahrungen berichten und von ihren Ängsten und Sorgen sprechen. Welche Reaktionen erntet man, wenn man sich mit einer Kippa auf Stuttgarts Straßen zeigt? Welchen Ressentiments sind Muslime im Alltag ausgesetzt? Müssen Stuttgarter Moscheen besser geschützt werden? Ein Vertreter der armenischen Gemeinde in Stuttgart wird zudem darüber berichten, wie die Gemeinde auf die Bombendrohung vom April 2019 reagiert hat und welche Ängste die Drohung wachgerufen hat.

Es gibt aber auch die andere Seite, die an dem Abend ebenfalls diskutiert werden soll: Religion, die instrumentalisiert wird, um Anschläge zu rechtfertigen, die benutzt wird, um Straftaten zu legitimieren. Dann wird Religion zur Bedrohung. Auch in Stuttgart gibt es Religionsgemeinschaften, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, weil sie schlicht rechtsstaatliche Grundsätze nicht anerkennen und die deshalb auch nicht in den Rat der Religionen aufgenommen werden. Nach den Statements der Vertreterinnen und Vertreter der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften und einer Podiumsdiskussion haben die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, ihre Fragen einzubringen. Moderiert wird der Abend von der SWR-Journalistin Verena Neuhausen. Der Eintritt ist frei, der Zutritt ist allerdings nur für immunisierte Personen möglich (2G). Eine Anmeldung ist erforderlich über das Katholische Bildungswerk Stuttgart, Telefon 0711/7050-600 oder über die Homepage des Bildungswerks http://www.kbw-stuttgart.de.

Multireligiöse Feier für die Opfer von Gewalt und Verfolgung zum Volkstrauertag

Der Rat der Religionen und die Landeshauptstadt Stuttgart laden zu einer multireligiösen Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Sonntag, 14. November, um 11.30 Uhr beim Mahnmal von Elmar Daucher für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Stauffenbergplatz beim Alten Schloss ein.

Bei der multireligiösen Feier tragen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionen aus dem Judentum, dem Christentum, dem Islam und dem Alevitentum Texte oder Gebete in einer gemeinsamen Feier stellvertretend für die verschiedenen Religionsgemeinschaften in Stuttgart vor. Dr. Clemens Maier, Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport sowie Religionsbeauftragter der Stadt, legt einen Kranz nieder. Der Evangelische Bezirksbläserkreis wird die Veranstaltung musikalisch umrahmen.

Moderiert wird die Gedenkfeier von der neugewählten Koordinatorin des Rates der Religionen Stuttgart Susanne Jakubowski (Jüdische Gemeinde, Vorstand Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg).

Der Rat der Religionen verfolgt das Ziel, Kontakt, Verständnis und Dialog der Religionen in Stuttgart untereinander und mit der Stadtgesellschaft zu fördern und zu pflegen sowie gemeinsam interessierende Themen zu beraten und Positionen dazu abzustimmen. Neben Vertretern der großen christlichen Kirchen, des jüdischen, muslimischen und alevitischen Glaubens gehören auch Buddhisten, Hindus und Vertreter der Bahá‘í‐Gemeinde zum Rat. Insgesamt zählt der Rat der Religionen derzeit 20 Mitglieder und gehört damit bundesweit zu den mitgliederstärksten Räten der Religionen.

Susanne Jakubowski neue Koordinatorin

Jakubowski (Foto: Hermes)Bürgermeister a.D. Dr. Schairer unterstützt beratend weiterhin die Arbeit des Rates der Religionen Stuttgart.

In seiner Sitzung am 13. Oktober 2021 haben die Mitglieder des Stuttgarter Rates der Religionen als Nachfolgerin des turnusmäßig ausscheidenden bisherigen Koordinators Ali Ipek für die kommenden beiden Jahre Susanne Jakubowski mit dieser Aufgabe betraut. Jakubowksi vertritt im Rat gemeinsam mit Michael Kashi die Jüdische Gemeinde Stuttgart und ist Mitglied des Vorstands der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW). Aufgabe der Koordinatorin ist nach der Ordnung des Stuttgarter Religionsrates die Repräsentation des Rates nach außen, die Geschäftsführung und Umsetzung der Beschlüsse.

Seit seiner Gründung vertrat der Stuttgarter Bürgermeister Dr. Martin Schairer die Landeshauptstadt im Rat der Religionen. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand hat diese Aufgabe sein Nachfolger als Bürgermeister Dr. Clemens Maier übernommen, der auch die Funktion des Religionsbeauftragten der Landeshauptstadt innehat. Der Rat hat sich sehr gefreut, dass Bürgermeister a.D. Dr. Schairer die Arbeit weiterhin unterstützen möchte und ihn nach § 8 (2) der Ordnugg zum Ständigen Beratenden Teilnehmer berufen.